Weitere Erklärungen von EN-Arbeitsgruppen Koordinator Hannes Papesh
Die EN Standards 926-1 und 926-2 bleiben unverändert. Es wurden nur einige Kommentare hinzugefügt um Missverständnisse zu beseitigen und manche Punkte wurden den praktischen Anforderungen angepasst. Ebenso wurden einige Übersetzungsfehler ins Deutsche korrigiert. Diese Kommentare wurden einstimmig von allen Test-Institutionen beschlossen (Air Turquoise, Aerotest, Academy and DHV). Es sind Arbeitsanweisungen wie mit der existierenden EN Norm En 926-2 zu verfahren ist, keine Änderung der Norm. Eine Normen-Änderung hätte zu lange gedauert und alle Beteiligten stimmten überein, dass es zu früh wäre die Norm zu ändern und die EN-Normen neu zu überarbeiten. Es existiert noch nicht genügend praktische Erfahrung mit der bestehenden Norm. Unsere Arbeitsgruppen arbeiten weiter und eine Neu-Überarbeitung der EN-Standards ist geplant im Laufe der kommenden 2 Jahre (diese Änderung könnte dann eventuell Ende 2011 in Kraft treten).
Die jetzige Übereinkunft ist natürlich eine grosse Änderung, nicht nur in Deutschland. Wir müssen jetzt alle in A, B, C, D denken! (1, 1-2, 2, 2-3 gibt es nicht mehr).
Es war Zeit diesen Schritt zu tun! Wir sind nur eine kleine Szene, wir müssen zusammenarbeiten und brauchen nicht mehr als einen Test-Standard. Das alte Experten-System der LTF (der Testpilot ist der Experte und hat eigenverantwortlich weitgehende Freiheit zu entscheiden) kann in der bestehenden Situation nicht mehr angewendet werden, da es mehrere Test-Center gibt. Ein funktionierendes Dokumentations-System wie die EN (klar, genaue Beschreibungen und Dokumentation so gut wie irgend möglich) wird gebraucht, um sicher zu stellen, dass man auf vergleichbare Ergebnisse kommt, unabhängig davon wo ein Gleitschirm getestet wurde. Ein grosser Vorteil ist auch, dass der Hersteller in die Lage versetzt wird eine bessere Voraussage zu treffen auf das Testergebnis seines Gleitschirms. Der Experte im LTF System war ziemlich frei in seiner Entscheidung. Deshalb war es schwer ein Ergebnis vorauszusagen. Jetzt sind die Regeln klarer für alle Beteiligten.
Ich danke allen, die an diesem Arbeitsprozess beteilgt waren!
Die Namen der Mitglieder der Arbeitsgruppen sind:
INFERNO (926-1): Academy (Guido Reusch, Markus Haubt, Peter Bruggmüller) Aerotest (Marion Varner, Vincent Teulier) Air Turquoise (Alain Zoller) DHV (Hannes Weininger, Reiner Brunn)
Die Hersteller (PMA): Thomas Ripplinger (Advance) Manfred Kistler (Skywalk) Hannes Papesh (Nova): Koordinator
NEW WAVE (926-2): Academy (Toni Bender) Aerotest (Marion Varner, Vincent Teulier) Air Turquoise (Alain Zoller) DHV (Hannes Weininger, Reiner Brunn, Karl Slezak)
Die Hersteller (PMA): Thomas Ripplinger (Advance) David Dagault (Ozone) Hannes Papesh (Nova): Koordinator
18. November 2008
4. Runder Tisch am Starnberger See
Beim
Treffen des 4. Runden Tisches, diesmal am Starnberger See, konnte eine Einigung
über die zukünftigen Testflugmanöver und Belastungstestkriterien für
Gleitschirme erzielt werden.
Der Runde
Tisch wurde vom Luftfahrt Bundesamt in Deutschland damit beauftragt über die
Testkriterien für Gleitschirme in Deutschland zu beraten.
Der Runde
Tisch wird das Luftfahrt Bundesamt bitten, die LTF (Lufttüchtigkeits
Forderungen) dahingehend abzuändern, dass zukünftige die EN 926-1
(Belastungstest) und die EN 926-2 (Flugtest) die Prüfgrundlagen für die
Musterprüfung innerhalb der deutschen LTF bilden.
Alle
Parteien, DHV (Deutscher Hängegleiter Verband), vertreten durch Hannes
Weininger, Karl Slezak und Reiner Brunn, DMSV (Deutscher Motorschirm Verband)
vertreten durch Harald Rost, EAPR (European Academy for Parachute Rigging)
vertreten durch Guido Reusch, Markus Haupt und Toni Bender und PMA (Paraglider
Manufacturers Association), vertreten durch Hannes Papesh einigten sich
diesbezüglich. Es wird eine Kommentierung der EN-Normen geben, die
Missverständnissen vorbeugt und an Stellen, die bislang in der EN unklar oder
ungenau beschrieben waren, weitere Einzelheiten regelt.
Somit wird
in Kürze auch die Klassifizierung des bisherigen LTF-Systems von 1 bis 3, auf
die EN Struktur A bis D umgestellt.
Unser Dank
gilt allen Beteiligten, die es ermöglicht haben einen weltweiten-Standard in
diesem Bereich durchzusetzen.
Es ist
geplant diese Neuregelung bereits zum 1. Januar 2009 in Kraft zu setzen.
28. Oktober 2008
Meeting der EN-926-Arbeitsgruppen Gleitschirmtests
Am 28.10.08 trafen sich die AG Flugtests und die AG Festigkeitstests im schweizerischen Villeneuve. Die Teilnehmer setzten sich aus Mitgliedern von Prüfstellen, Aerotest (F), Air Turquoise (CH), DHV (D), EAPR (D), des Herstellerverbandes PMA sowie eines Vertreters der EN Working Group WG 6 zusammen. Das Treffen fand in ausgesprochen konstruktiver Atmosphäre statt. Es wurde eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, die nicht nur eine technische Weiterentwicklung darstellen, sondern vor allem für mehr Transparenz der Prüfungen sorgen werden. Durch diese Maßnahmen wurde zudem dem Anspruch Rechnung getragen, nur einen einzigen Standard für Gleitschirmtests zu definieren, mit der Zielsetzung einer künftigen Implementierung der EN Standards 926-1 bzw. 926-2 in die LTF.
Hier die wichtigsten Punkte:
Testflugmanöver Steilspirale:
Vereinbarung: Die technischen Anforderungen an das vom Testpiloten verwendete Variometer werden wie folgt festgelegt: Ansprechzeit 0,2 Sek., klar erkennbarer Sinkton bei Erreichen von –14m/s, klar erkennbare Sinktonmodulation bei höheren Sinkwerten. Die akustischen Signale sollen auf dem Dokumentations-Video aufgezeichnet werden. Diese Maßnahmen ermöglichen dem Testpiloten eine objektivere und differenziertere Beurteilung dieses Manövers. Durch die sehr hohen Beschleunigungen und die damit verbundene körperliche Beanspruchung war dies bisher nur sehr schwer möglich.
Vereinbarung: Bei der Bewertung des Pilotenanspruchs der Steilspirale ist die sich entwickelnde G-Kraft des Gleitschirms die wichtigste Messgröße. Es wird deshalb vereinbart, verstärkt mit G-Kraft-Messgeräten zu experimentieren mit dem Ziel, mittelfristig eine zuverlässige G-Kraft-Messung als zusätzlichen Bewertungsparameter für Steilspiralen, aber auch für andere Manöver verfügbar zu haben.
Vereinbarung: Besonderes Verhalten bei der Steilspirale, wie z.B. besonders schnelle Beschleunigung des Schirmes, müssen vom Testpiloten im Testbericht kommentiert werden.
Testflugmanöver seitliches Einklappen:
Die deutschen LTF geben, außer der Maximalgröße des seitlichen Einklappers (Eintrittskante 75%, Knickwinkel 45°), keine verbindlichen Vorgaben über die Größe und Form des Testeinklappers. Die EN 926/2 ist etwas konkreter: Einklappgröße (70-75% Eintrittskante), Knickwinkel (45°), bzw. der maximal vom Einklapper betroffener Anteil der Hinterkante (50%) werden definiert. Ein Ergebnis der praktischen Tätigkeit der Arbeitsgruppe Flugtests im Sommer 08 war u.a., dass es keinem Testpiloten möglich ist, den zu testenden Flügel reproduzierbar auf einer Linie einzuklappen. Dem zur Folge waren notgedrungen immer Abweichungen zu akzeptieren. Die jetzt erfolgte Definition eines Toleranzbereiches und der geforderte Nachweis durch eine bessere Videodokumentation, sollen sicherstellen, dass jeder gewertete Testeinklapper den Anforderungen entspricht (und vor allem sauber bis zur Hinterkante erfolgt).
Vereinbarung: Für den Testeinklapper nach LTF, bzw. den 70-75%-Testeinklapper nach EN wird am Gleitschirmuntersegel ein gut sichtbares Toleranzfeld markiert. Das Toleranzfeld hat folgende Abmessung: Entlang einer Linie, die von der Mitte der Hinterkante in einem 45°-Winkel Richtung Außenflügel zur Eintrittskante gezogen wird, schließt sich beidseitig ein Toleranzbereich von 5% der Spannweite an. Siehe Grafische Darstellung verschieden gestreckter Grundrisse und Video.
Vereinbarung: Um die Einklappung im Toleranzbereich zu dokumentieren, werden die Testeinklapper von der Bodenkamera sowohl von vorne (Schirm fliegt genau auf die Kamera zu) als auch von hinten (Schirm fliegt von der Kamera weg) dokumentiert. Die Aufnahme von hinten muss die Ausprägung des Einklappers bis zur Hinterkante dokumentieren.
Gurtzeuge für Gleitschirm-Testflüge:
Vereinbarung: Eine einheitliche Definition der Abmessungen von den Gurtzeugen, die für die Testflüge Verwendung finden, soll schnellstmöglich erfolgen. Dabei wurde ein neuer Weg angedacht, die Wirkung verschiedener Gurtzeuggeometrien im Flug durch einen einzigen Parameter zu erfassen.
Veröffentlichung der Videodokumentation von Testflügen:
Herstellerverband PMA und die LBA-anerkannten Prüfstellen DHV und EAPR vereinbaren, dass die Testflugvideos aller von den jeweiligen Prüfstellen mustergeprüften Gleitschirme grundsätzlich in den Internet-Testflugprotokollen veröffentlicht werden.
03. November 2008
Für den DHV: Karl Slezak Für die EAPR: Guido Reusch Für die PMA: Hannes Papesh
Aktuell
05.02.2010
Neue Lufttüchtigkeitsforderungen für Gleitschirme
Die PMA und die vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Prüfstellen DHV und EAPR haben eine Vereinbarung getroffen nur nach den neuen Lufttüchtigkeitsforderungen für Gleitschirme zu testen, die nahezu identisch mit der bestehenden EN Norm sind.